Leseprobe: Bad Boss Challenge

Kapitel|1.

Möge die Challenge beginnen!
Amber

 
»Was sagst du?«, frage ich über meine Schulter hinweg und sehe damit zu Ray auf, der eben dabei ist, meinen Aufruf zur ›Bad Boss‹ Challenge zu lesen. »Werden sich die Angestellten Vancouvers melden?«
Ein Lächeln erscheint auf den Lippen meines Kollegen. »Es würde mich schon sehr wundern, wenn nicht. Jeder wollte doch schon mal dem Boss eins mit der Pfanne überziehen, oder?«
»Das habe ich gehört«, mischt sich Harold Rush, der Inhaber und Besitzer des Rushhour Magazins, ein, und tritt an meinen Schreibtisch, um nun, über meine andere Schulter hinweg, den Aufruf zu lesen.
Ray richtet sich schnell auf. »Sie habe ich damit selbstverständlich nicht gemeint, Sir.«
Schmunzelnd senke ich den Blick etwas, um zu vertuschen, dass ich gerade damit kämpfe, nicht laut loszulachen. Ray hat Glück. Unser Boss ist kein ›Bad Boss‹. Das Gegenteil ist der Fall. Harold hat dieses Magazin vor sieben Jahren gegründet und in all der Zeit darauf geachtet, dass ein angenehmes, wertschätzendes Klima herrscht. Ich arbeite seit zwei Jahren für ihn und habe es keinen Tag bereut. Bisher habe ich allerdings immer nur kleinere Aufträge erhalten. Kolumnen, das Wetter, eine kleine Sparte für Frauenprobleme. Gestern aber, ist er in mein Büro gekommen und hat mir die ›BAD BOSS‹ Challenge angeboten. Ich wäre fast vom Stuhl gefallen, denn das ist die Story, auf die ich die ganze Zeit gewartet habe. Ein richtig dickes Ding. Ein Highlight für das Rushhour. Wenn ich diesen Job gut mache, wird mir Harold zukünftig mehr zutrauen. Ich weiß, dass er mir damit einen riesigen Vertrauensvorschuss gewährt. Deshalb werde ich alles geben, um ihn nicht zu enttäuschen.
Lachend klopft Harold Ray auf die Schulter. »Das weiß ich doch, Junge.« Sein freundlicher Ton lässt Ray augenblicklich entspannen.
»Puh«, macht er und stößt die angehaltene Luft aus. »Das ist gut. Wie Sie wissen, bin ich absolut glücklich hier bei Ihnen.«
»Kein Grund eine Schleimspur zu ziehen, Fields. Ich bin mir Ihren Qualitäten durchaus bewusst.«
Ray zieht eine Schnute. »Das war kein Geschleime.«
Amüsiert wendet sich Harold mir zu. »Das gefällt mir.« Mit dem Finger deutet er auf meinen Bildschirm. »Schicken Sie das so raus, damit es bereits morgen in unserem Magazin erscheint.«
Meine Augen weiten sich. »Wirklich? Morgen schon?«
Fragend sieht mich mein Boss an. »Natürlich. Was dachten Sie denn? Ich bin wahnsinnig gespannt, welche Wellen dieser Aufruf schlägt.«
»Ich auch«, gebe ich prompt zu. »Ich hoffe, wir erhalten viele Einsendungen.«
»Wie Fields bereits sagte, gehe ich davon aus, dass das wie eine Bombe einschlagen wird.« Mit einem Lächeln nickt er. »Schicken Sie es also ab und lehnen Sie sich zurück. Morgen wird Ihr Postfach explodieren und ich erwarte vollen Einsatz von Ihnen. Haben Sie bereits ein Team ausgewählt?«
Jegliche Gesichtszüge entgleiten mir. »Ich soll selbst ein Team auswählen?«
Verwirrt blinzelt mein Boss. »Selbstverständlich. Außer Sie trauen sich das nicht zu? Dann könnte ich natür-«
»Nein!«, rufe ich etwas zu laut aus. »Ich traue mir das zu. Ich wusste nur nicht, dass auch das in meiner Hand liegt.«
Väterlich legt er seine Hand auf meine Schulter. »Alles, was diesen Artikel und die Umsetzung dessen betrifft, liegt in Ihrer Hand.«
Schluckend nicke ich, ehe mein Blick kurz zu Ray geht, der mich mit deutlicher Begeisterung im Gesicht ansieht. »Vielen Dank, Sir. Sie werden es garantiert nicht bereuen!«
Seine Hand auf meiner Schulter verschwindet. »Davon gehe ich aus. Halten Sie mich auf dem Laufenden.«
»Das mache ich, Sir. Ich schicke Ihnen morgen die Liste der Teammitglieder, die mit mir an diesem Projekt arbeiten werden.«
»Sehr gut.« Langsam durchquert er mein kleines Büro, bleibt aber an der Tür stehen. »Fields, soweit ich mich erinnern kann, haben Sie selbst zu tun.«
Ray strafft sofort die Schultern. »Ja, Sir. Ich wollte nur eben Amber ...«
Abwinkend entfernt sich Harold weiter. »Lassen Sie sich doch nicht immer von mir an der Nase herumführen. Ich weiß, was Sie eben getan haben, als ich zu Ihnen gestoßen bin.« Seine Stimme verklingt, dann biegt er um die Ecke und ist aus unserem Sichtfeld verschwunden.
Abermals stößt Ray hörbar die Luft aus. »Immer zieht er mich auf.«
Kichernd beiße ich mir auf die Unterlippe. »Du bist selber Schuld. Wieso machst du dir auch immer so in die Hosen, kaum, dass er anwesend ist? Du weißt doch, dass er ziemlich locker ist und kein Fass aufmachen wird, wenn du dich kurz hier bei mir statt in deinem Büro befindest.«
Angespannt tritt Ray von einem auf den anderen Fuß. »Ich weiß, aber ich habe mich eben noch immer nicht daran gewöhnt. Du weißt doch, wie mein letzter Boss drauf war.«
O ja, ich erinnere mich an alles, was er mir darüber erzählt hat. »Hast du noch Kontakt zu einem der Angestellten dort?«
»Ja sporadisch, wies-...« Mitten im Satz bricht er ab. »Du meinst, ich sollte auf die Challenge hinweisen?«
Grinsend nicke ich. »Wenn es jemand verdient hat, dann ja wohl dein Ex-Boss, oder?«
»Ja«, würgt er hervor und stemmt die Hände in die Hüften. »Allein die Erinnerung an dieses ... Aas, wird mir heute Albträume bescheren!«
Rasch rolle ich mit meinem Schreibstuhl ein Stück zu ihm und tätschele seinen Arm. »Du bist ja nun nicht mehr dort. Stattdessen hast du den besten Boss, den man sich vorstellen kann, bekommen. Auch wenn er dich manchmal aufzieht.« Aufmunternd schaue ich zu ihm auf und erinnere mich an den Tag vor einem Jahr, als er hier sein Bewerbungsgespräch hatte. Ich habe ihn im Flur getroffen, wo er unruhig auf und ab gelaufen ist. Seine gesamte Haltung hat eine solche Anspannung ausgestrahlt, dass ich selbst ganz nervös wurde. Nach einem Gespräch wusste ich dann aber auch wieso. Er war ohne das Wissen seines damaligen Bosses hier, um sich für einen Job zu bewerben. Die Sorge, dass das herauskommen könnte, stand ihm ins Gesicht geschrieben. Bis zu seinem ersten Arbeitstag hier habe ich ihn dann nicht wieder gesehen. Umso erfreuter war ich darüber, dass es geklappt hat. Seitdem sind wir befreundet. Ray ist siebenundzwanzig, groß, schlank, mit markanten Gesichtszügen und hübschen, grünen Augen. Seine blonden Haare gelt er stets zurück und mit der lässigen Kleidung, die uns hier im Büro erlaubt ist, wirkt er noch ein ganzes Stück jünger, als er ist. Insgesamt ist Ray wirklich niedlich. Allerdings bringt er nichts in mir zum Summen. Da fehlt das gewisse Etwas, diese magische Anziehung, die ich erst einmal in meinem Leben mit einem Kerl erlebt habe und wonach ich seither auf der Suche bin. Klar hatte ich nach Shane Sex, aber nie wieder war es eine solche ... Explosion an erotischen Gefühlen.
»... aber sag mal, was machst du denn heute Abend?«
Blinzelnd stelle ich fest, dass ich wohl einen Teil der Unterhaltung verpasst habe. »Was ich heute Abend mache?«
»Ja?«, hakt er belustigt nach, sodass seine Mundwinkel zucken.
Rasch blicke ich auf die Uhr an meinem Bildschirm. »Ich schätze, ich werde mich daran machen, das Team zusammenzustellen. Wenn Rush möchte, dass der Aufruf schon morgen in der Rushhour erscheint, brauche ich Unterstützung, schätze ich.«
Prompt beugt sich Ray herunter, dreht meinen Stuhl, sodass er sich links und rechts abstützen kann, und sieht mich durchdringend aus seinen grünen Augen an. »Bitte sag mir, dass du mich in deinem Team willst!«
Kichernd tippe ich mir mit dem Zeigefinger ans Kinn und mache: »Hmmmm.«
Empört öffnet er den Mund. »Da musst du überlegen?« Seine Hände legen sich an meine Taille, wo er beginnt, mich wild zu kitzeln. »Sag sofort, dass du mich sowieso in deinem Team haben wolltest!«
Prustend winde ich mich unter seinen Fingern, japse nach Luft und nicke schnell. »Ja, ja natürlich ...« Tief hole ich Luft. »Du bist natürlich in meinem Team, versprochen!«
Sofort lässt er von mir ab und grinst bübisch. »Das wollte ich hören.« Wie immer, wenn seine Frisur durcheinandergeraten ist, fährt er sich hindurch. Jedoch hält er dann inne. »Was ist jetzt?«
Meine Kleidung dorthin ziehend, wo sie hingehört, sehe ich ihn fragend an. »Was ist womit? Ich habe doch gesagt, dass ich dich in meinem Team will.«
Ray verdreht die Augen. »Ich meinte damit, ob du ansonsten nichts vor hast? Ich dachte an einen Netflix-Serienmarathon.« Bevor ich etwas sagen kann, hebt er den Finger. »Du hast es mir versprochen!«
Jammernd lege ich den Kopf zurück auf die Nackenstütze meines Drehstuhls. »Wir haben doch erst letzte Woche einen Marathon hingelegt!«
»Na und? Komm schon! Ich koche auch etwas.«
Resigniert gebe ich nach. Er weiß genau, dass er mich immer mit seinen Kochkünsten locken kann. Dieser Schuft. »Na gut, aber ich will Pasta!«
Lächelnd legt er den Kopf schief. »Dein Wunsch ist mir Befehl, Madam.«
Amüsiert trete ich nach ihm, aber er weicht zurück. »Dann sehen wir uns um acht bei mir. Bring Wein mit.«
»Wird gemacht, Sir!« Mit dem Finger deute ich gegen meine Schläfe, dann winke ich ihm und sehe dabei zu, wie er mein Büro verlässt, ehe ich mich in meinen Stuhl zurücksinken lasse. Dann also einen Netflix-Abend mit meinem besten Freund. Ich könnte es schlimmer treffen, oder?


 

Kapitel|2. 

Brown & Pierce
Shane 

 
Stöhnend sinke ich in meinen Stuhl zurück und lege den Kopf in den Nacken, während unter dem Schreibtisch meine neueste Assistentin hockt, um mir die Flöte durchzupusten. Dabei schiebe ich die Finger in ihr jetzt schon zerzaustes, dunkelblondes Haar, um ihre Bewegungen zu steuern. »Langsamer«, fordere ich, schiebe mich aber gleichzeitig tiefer in ihren Rachen, sodass sie ein röchelndes Geräusch von sich gibt. Dennoch beschwert sie sich nicht, sondern saugt weiter an mir, lässt sich führen und bringt mich so dazu, das hier doch noch zu genießen. Felix wird mich kastrieren, wenn das rauskommt. Schon nach der letzten Frau unter meinem Tisch, musste ich ihm versprechen, dass ich es lassen werde. Meine letzte Assistentin hat gekündigt, weil ich ihr klargemacht habe, dass ich sie nur vögeln, aber nicht heiraten möchte. 
Ich hatte ja wirklich nicht vor, auch die Neue zu verführen. Aber was soll ich machen, wenn sie sich mir so dermaßen anbietet? Nein sagen? Bin ich denn verrückt? Sie sieht nicht schlecht aus und auch wenn sie ansonsten nicht unbedingt mein Typ ist, hat sie nach meiner Anleitung wirklich etwas drauf. Zumindest empfinde ich das jetzt so, wo mein Schwanz in ihrem Mund zu zucken beginnt, ehe ich mich ohne zu Fragen auf ihrer Zunge ergieße. Brav schluckt sie meinen Samen hinunter, dann öffnet sie die Lider und blickt, noch immer vor meinen Beinen auf den Knien sitzend, zu mir auf. Ihre Lippen sind geschwollen, ihre Augen gerötet und über ihre Wange läuft eine Träne, die wohl dem Würgereiz geschuldet ist. 
Wie, um sie nicht zu verschrecken, rolle ich mit meinem Schreibtischstuhl ein Stück zurück, damit sie unter dem Tisch auftauchen und sich wieder vor mich stellen kann. »Das war ...«, setzt sie mit rauer Stimme an, aber ich unterbreche sie. 
»Ja, du kannst jetzt gehen.« Bevor ich aufstehe, packe ich meinen Schwanz wieder in die Hose, ziehe den Reißverschluss hoch und erhebe mich. »Wir sehen uns morgen.« Bevor sie noch etwas erwidern oder jammern kann, gehe ich auf meine Tür zu, öffne sie und bedeute ihr, zu verschwinden. 
Mit riesigen Augen und schockiertem Ausdruck im Gesicht, mustert sie mich, bevor sie wohl ihren Stolz, so wie eben noch mein Sperma, hinunterschluckt und erhobenen Hauptes mein Büro verlässt. 
Erleichtert über ihren stummen Abgang, schließe ich die Tür hinter ihr, durchquere den Raum und bin nicht zum ersten Mal heilfroh darüber, dass sich hier drin ein eigenes, kleines Badezimmer befindet, in das ich mich zurückziehen kann. Wenn Felix jetzt hereinkommen und mich sehen würde, wüsste er sofort, was eben geschehen ist. Er sieht es mir gruseliger Weise schon immer an. Das liegt ohne Zweifel daran, dass er, neben Colin, schon von Kinderbeinen an mein bester Freund ist. So ziemlich jede Phase unserer Leben haben wir zusammen durchgestanden, bis Felix und ich vor vier Jahren diese Kanzlei mithilfe unserer Mentoren und Eltern gegründet haben. Colin, dessen Interessen nie bei Jura und einer eigenen Kanzlei lagen, hat einen anderen Weg eingeschlagen. Sein Traum war es immer, Arzt zu werden. Jetzt, wo er das erreicht hat, sehen wir uns zwar seltener, aber selbst, wenn uns gänzlich die Zeit füreinander fehlen würde, könnte nichts unsere Freundschaft zerstören. Das Band zwischen Felix, Colin und mir ist in den Jahren nur fester, standhafter und stärker geworden. 
Nachdem ich mir ausgiebig die Hände gewaschen und überprüft habe, ob mein Intermezzo mit ... wie hieß sie noch mal? – Flecken hinterlassen hat, trete ich aus dem kleinen Badezimmer hinaus zurück in mein Büro und greife nach der Fernbedienung an meinem Schreibtisch. Mit zwei Knopfdrücken gleitet der Sichtschutz, der meinem ansonsten verglasten Büro einen Bruchteil an Privatsphäre verschafft, zur Seite und gibt den Blick auf die Kanzlei frei. Niemand scheint etwas von dem mitbekommen zu haben, was eben hier drin stattgefunden hat. 
Erleichtert über diesen Umstand lasse ich mich in den Drehstuhl hinter meinem Schreibtisch sinken, beuge mich vor und drücke den Knopf, der mich mit meiner Assistentin verbinden soll. 
»Sir?«, erklingt ihre Stimme, die jetzt nicht mehr sexy und einladend, sondern ziemlich angefressen klingt. 
Schmunzelnd lehne ich mich zurück. »In den nächsten zehn Minuten erwarte ich einen Mandanten. Schick ihn direkt zu mir und bringe uns Kaffee.« 
Durch die Leitung höre ich sie Durchatmen. »Natürlich, Sir. Sonst noch was?« 
Der bissige Unterton entgeht mir nicht. Falls sie dachte, dass ich jetzt plötzlich anders zu ihr bin, nur weil sie mir eben einen geblasen hat, hat sie sich getäuscht. Nichts hat sich geändert. Sie ist noch immer irgendeine Angestellte und ich ihr Boss. Egal, wie viel sie von meinem Sperma schluckt. »Lass mich nachdenken ...« Halte ich sie hin. »Weißt du was? Ich habe heute große Lust auf die Pasta meines Lieblingsitalieners. Nachdem du meinen Mandanten also zu mir geschickt und uns Kaffee gebracht hast, gehst du los und holst mir etwas zu essen von dort.« 
Eine kurze Pause entsteht, in der sie vermutlich überlegt, ob sie sofort ihre Sachen packt, und abhaut, oder ob sie es weiter durchzieht. Offensichtlich ist sie eine Frau mit etwas Durchhaltevermögen, denn sie antwortet: »Sehen Sie das als erledigt an, Sir.« 
»Gut«, brumme ich, dann drücke ich den Knopf, der die Verbindung zu ihr unterbricht, ohne mich bedankt oder ›verabschiedet‹ zu haben. Anschließend ziehe ich mein privates Telefon aus meiner Hosentasche und schreibe eine Nachricht an Colin, in der ich ihn frage, ob wir kommendes Wochenende nach langer Zeit etwas trinken gehen oder ob er arbeiten muss. Seit er Arzt im Vancouver City Hospital ist, schiebt er ständig Doppelschichten. Mit ein Grund, wieso wir uns in letzter Zeit kaum gesehen haben. 
Gerade lege ich das Telefon weg, als es klingelt und mir sein Name entgegenleuchtet. Mit einem Grinsen gehe ich ran. »Du lebst also noch.« 
Sein Lachen erinnert mich an all die Jahre, die wir uns nun schon kennen. Immer etwas eigenartig, japsend, einfach zum Totlachen. Lange Zeit haben wir ihn deswegen verarscht – freundschaftlich natürlich. Er hat es uns nie übelgenommen oder es zumindest nie gezeigt. »Wenn es nicht so wäre, wärst du einer der ersten, der es erfahren würde.« 
»Das ist mir klar.« Mich zurücklehnend, schlage ich die Beine über. »Ich hoffe, dein sofortiger Anruf bedeutet, dass du dir kommendes Wochenende Zeit für deine besten Freunde nehmen wirst. Wir waren schon viel zu lange nicht mehr auf der Piste. Vermutlich haben sich die Pussyregeln inzwischen geändert, ohne, dass wir es mitbekommen haben.« 
»Willst du mir gerade weißmachen, dass Felix und du all die Zeit, in der wir uns nicht gesehen haben, auf Muschis verzichtet habt?« 
Ein Prusten bricht aus mir heraus. »Bist du verrückt? Glaubst du wirklich, das hätte ich überlebt? Ich sagte bloß, dass wir nicht auf der Piste waren. Aber das ist ja nicht der einzige Weg, um die Freuden einer Pussy zu genießen.« Mein Blick hebt sich und fällt auf die gläsernen Treppen, die nach unten ins Großraumbüro führen. Dort sehe ich soeben meine Assistentin zusammen mit meinem Mandanten hochkommen. 
»Dem kann ich nicht widersprechen. Du glaubst nicht, wie oft sich mir hier im Krankenhaus die Gelegenheit bietet ...« Beinahe kann ich sein schiefes Lächeln bei den Worten vor meinem inneren Auge sehen. 
»Du Schwein«, brumme ich. »Die Patientinnen?« 
Ein Glucksen erklingt und ich hebe die Hand in Richtung der Glastür, die in mein Büro führt, um meiner Assistentin zu signalisieren, dass sie kurz warten sollen. 
»Nicht die Patientinnen, wobei die auch nicht unbedingt abgeneigt wären. Die Kolleginnen im Ruheraum ...« 
Unkonzentriert blicke ich immer wieder in Richtung meines Mandanten. »Colin, ein Mandant steht vor meiner Tür. Ich nehme an, wir sind Freitagabend verabredet?« 
»Darauf kannst du wetten«, gibt er zurück, ehe wir uns verabschieden und ich das Telefon wieder in meiner Hosentasche verschwinden lasse. Danach deute ich Erin – genau so heißt sie – an, dass sie jetzt hereinkommen können. 
Kaum öffnet sie die Tür, stehe ich auf, streiche meinen Anzug und die Krawatte glatt und reiche meinem Mandanten die Hand. »Mister Collins, es freut mich, dass Sie sich an den Besten wenden.« Mit einem Blick zu Erin lasse ich sie wissen, dass ihre Anwesenheit nicht weiter von Nöten ist, und setze mich mit meinem Mandanten an den Schreibtisch, um seinen Fall zu besprechen.